Intuitive Erziehung

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Intuitive Erziehung

Was verstehen wir eigentlich unter einer intuitiven Erziehung?
Bedeutet das, dass immer alles schön und einfach ist, unsere Kinder immer in der „Spur laufen“, anständig sind und alles machen, was ich als Mama sage?

Mal ganz ehrlich: Wäre dies der Maßstab, dann fände ich Mama-Sein echt langweilig.

Als ich das erste Mal Mama wurde, habe ich mich gefragt: Wie kommt es, dass wir für alles ein Zertifikat, eine Prüfung oder sonstige Urkunden vorweisen müssen, aber Eltern zu werden, das funktioniert einfach so? Es ist eine so verantwortungsvolle Aufgabe. Es gibt keinen Plan und keinen Führerschein, der uns auf diese Aufgabe wirklich einstimmt.
Die Verantwortung für ein Menschenleben zu haben ist gerade am Anfang ziemlich überwältigend und herausfordernd.

Wie hast Du das empfunden?

Doch wie sagt man so schön: Wir wachsen mit den Aufgaben.

Hast Du Dir schon mal die Frage gestellt: Wie erziehe ich mein Kind richtig?

Vielleicht hast Du einige Ratgeber gelesen oder den guten Rat deiner Mutter oder einer Freundin angehört.
Vielleicht hast Du festgestellt, dass es einen Unterschied zwischen Theorie und Praxis gibt.
Vielleicht hast Du gemerkt, dass das, was andere als richtig erachten, nicht Deinem Richtig entspricht.

In diesem Artikel möchte ich gemeinsam mit Dir dieser Frage auf den Grund gehen:

Was bedeutet eigentlich intuitive Erziehung und wie wirkt sie sich aus?

Hierzu stelle ich Dir 6 Grundlagen vor, die meiner Meinung nach in der Erziehung eine Rolle spielen.

1. Intuition erkennen

Unter Intuition versteht nicht jeder das Gleiche.

Die allgemeine Definition beschreibt Intuition als das Begreifen einer Situation oder eines Sachverhaltes innerhalb von Bruchteilen von Sekunden durch Eingebung eines Gefühls, ohne die Schlussfolgerung durch den Verstand.

Intuitiv ist nicht gleichgesetzt mit impulsiv. Ich würde den Unterschied mal so beschreiben.

Eine impulsive Handlung geschieht meist unreflektiert und wir spüren erst danach, ob es gut war oder nicht. Eine intuitive Handlung geschieht im Vertrauen darauf, dass es richtig ist, auch wenn wir es nicht erklären können oder Umstände scheinbar etwas anderes darstellen.

Ein Beispiel aus dem Mama-Alltag.

Stell Dir vor, Dein Kind hat etwas angestellt, was Dir missfällt. Impulsiv wäre Deine Reaktion, gleich zu schimpfen, intuitiv spürst Du jedoch vielleicht, dass Dein Kind sich dadurch

z.B. Aufmerksamkeit verschaffen will. Betrachtest Du die Situation ganzheitlich und vertraust Deiner Intuition, dann erhältst Du einen Impuls oder Geistesblitz. Deshalb reagierst Du möglicherweise ruhiger und fragst Dein Kind, was genau in dieser Situation in ihm vorging, so zu handeln.

Die Intuition ist die Eingebung, dass es vielleicht nicht um die Sache an sich geht, sondern um das was dahintersteckt.

Es gibt diese Momente, in denen „der Gaul mit einem durchgeht“ und genau dann ist es wichtig, kurz inne zu halten und zu spüren, um was es eigentlich geht.

Mehr dazu, wie Du Intuition spüren lernst, im Artikel Intuition entsteht in der Stille

Hast Du Deine Intuition schon einmal wahrgenommen?

2. Intuition wählt nicht den bequemen Weg

Unsere Intuition ist die Verbindung zu unserer besten Version von uns selbst. Damit wir uns entfalten und wachsen, bietet uns das Leben sozusagen dazu die „Trainingsfläche“.

Das Leben stellt uns vor Herausforderungen, die wir annehmen oder ablehnen können.

Unsere Intuition hilft uns, zu erkennen, ob diese Erfahrung für unsere Entwicklung förderlich ist oder nicht.

Auch hier ein Beispiel aus dem Mama-Alltag.

Stell Dir vor Dein Kind kommt in die Schule!

Vielleicht hast Du dann das Gefühl, Dein Kind auf dem Weg zur Schule begleiten zu müssen. Vielleicht hast Du das Gefühl, alles unter Kontrolle halten zu müssen. Es fühlt sich „bequemer“ an, die Kontrolle zu behalten, als sie abzugeben.

Intuitiv könntest Du nun einen Impuls erhalten, dass es an der Zeit ist, loszulassen und die Selbstständigkeit Deines Kindes zu fördern. Es könnte sich im ersten Moment unangenehm anfühlen, da Du Kontrolle abgeben musst.

Der Gewinn wäre jedoch, dass Dein Kind lernt, auf sich selbst zu achten. Somit entwickelst Du Dich als Mama weiter, indem Du Verantwortung überträgst und Dein Kind darf sich weiterentwickeln, weil es Verantwortung übernimmt.

Intuition zu entwickeln, bedeutet Kontrolle abzugeben und lernen zu vertrauen.

3. Intuition erfasst Situationen ganzheitlich

Intuitiv erziehen gelingt dann besonders gut, wenn wir erkennen, was wir selbst und unser Gegenüber für ein Bedürfnis haben.

Das lässt sich am folgenden Beispiel gut erklären.

Stell Dir vor, Du möchtest Dir einen Moment der Ruhe gönnen und Dein Kind hüpft und tanzt lautstark durch die Wohnung!

Dein Bedürfnis ist es, Dich auszuruhen und das Bedürfnis Deines Kindes ist es, sich selbst auszudrücken.

Impulsiv könnte die Reaktion so aussehen, dass Du laut „Ruhe!“ durch die Wohnung rufst.

Womöglich stößt dieses Verhalten auf wenig Verständnis, da Dein Kind sich ja ausdrücken will. Intuitiv könnte Deine Reaktion dann wie folgt aussehen:

Du spürst das Bedürfnis Deines Kindes und schlägst ihm einen Kompromiss vor, z.B. für 30 Minuten Pause, später mit ihm auf den Spielplatz zu gehen.

Das ganzheitliche Erfassen einer Situation erfordert, intuitiv den Blickwinkel zu wechseln.

4. Intuitiv erziehen findet Balance zwischen Entfaltung und Regeln

Manchmal liebe ich es mit meinen Jungs zu diskutieren. Dass jeder seinen Standpunkt klarmachen darf und Argumente finden kann, was für und was gegen eine Sache spricht und wir uns am Ende vielleicht bei einem Kompromiss einig werden.

Je nach Situation kann dies natürlich aber auch die Nerven aufreiben, wenn zum hundertsten Mal besprochen wurde, dass die Schuhe in den Schuhschrank gehören, die Zahnpastatube ins Glas oder ähnliches.

Das sind Momente, in denen wenig Raum für „freie Entfaltung“ ist. Da gibt es einheitliche Vorgaben, an die wir uns gemeinsam halten, damit es im Haus ordentlich bleibt.

Starre Regeln ersticken die Intuition.

5. Intuitiv erziehen bedeutet liebevoll Grenzen setzen

Kinder brauchen Rahmenbedingungen, welche ihnen Sicherheit und Geborgenheit geben. Dieser Rahmen entwickelt das Urvertrauen, dass für die kindlichen Bedürfnisse gesorgt wird.

Ich bin der Überzeugung, dass wir als Eltern in der intuitiven Erziehung spüren, wann es Zeit ist, Grenzen zu setzen und wann es Zeit ist, Grenzen zu öffnen.

Voraussetzung hierfür ist, ein gutes Gespür für die Situation zu entwickeln und auf die Signale der Kinder zu achten.

Zwischen zwei Extremen wie: „Lass dein Kind doch machen, lass es sich frei entfalten!“ und „Kinder brauchen klare Strukturen und Strafe muss sein!“, gilt es als Eltern einen gangbaren, gesunden Weg zu finden.

Was das Richtige für Deine Situation ist, verrät Dir Deine Intuition.

6. Intuition vertrauen

Als unser erster Sohn auf die Welt kam hatte ich ein AHA- Erlebnis.

In der Schwangerschaft hatte ich keine Ratgeber gelesen, was z.B. das Stillen betraf. Ich wollte es intuitiv entscheiden. Ich hatte meinem Körper voll und ganz vertraut, dass sich alles auf natürliche Weise entwickeln würde. Ich hatte eine tolle Schwangerschaft, zumal ich auch bis zum 6. Monat mit meinem Mann in Australien unterwegs war.

Als Dean dann auf die Welt kam, war das Stillen in den ersten Tagen und Wochen alles andere als einfach. Es war sogar sehr schmerzhaft. So viele Meinungen und Ratschläge prasselten auf mich ein, dass ich nicht mehr wusste, was jetzt eigentlich richtig ist. Ich war dabei, mein Vertrauen zu verlieren.

Noch im Krankenhaus hatte ich einen Milchstau. Es machte mich fast wahnsinnig, dass mir jeder einen anderen Ratschlag gab und nichts funktionierte wirklich. Ich hatte starke Schmerzen in der Brust.

Als ich dann nach ein paar Tagen nach Hause kam, stand ich immer noch sehr unter dem Druck zwischen abpumpen, anlegen und wiegen, ob er denn auch genug trinken würde. Ich war unter Dauerspannung. Ich wollte natürlich alles richtig machen, hatte aber keine Ahnung mehr, wie. Ich war total verkopft und verkrampft.

Bis meine Hebamme zur Nachsorge kam und ich weinend vor ihr saß und sagte: „Ich bin fast soweit aufzugeben. Es tut so weh.“ Dann sagte Sie einen Satz, der alles im wahrsten Sinne des Wortes in den Fluss brachte: „Stellen Sie sich vor, Sie seien in der Wüste und müssten ihr Kind ernähren!“

In diesem Moment habe ich wieder begonnen, meinem Bauchgefühl zu vertrauen, wann ich wie und wie oft anlege, unabhängig davon, was all die gut gemeinten Ratschläge sagten.

Von da an floss die Milch und ich stillte Dean fast 10 Monate lang. Bei all meinen Kindern war Stillen dann kein Thema mehr, da ich intuitiv wusste und vertraute: Es funktioniert.

Fazit

Ich glaube, gute Erziehung gelingt am besten durch eine Kombination aus Wissen, Erfahrung, Selbstreflexion und Intuition.
Intuition allein reicht nicht aus, wir brauchen auch das Wissen wie wir sie einsetzen.

Es ist vollkommen in Ordnung, sich Meinungen anzuhören und Ratgeber zu lesen.
Doch letztendlich darf uns das Bauchgefühl leiten, was wir davon annehmen und anwenden oder was wir vielleicht ganz anders machen.

Es gibt kein Patentrezept dafür, eine gute Mutter zu sein.
In erster Linie finde ich es wichtig, sich nicht mit anderen zu vergleichen.
Der eigenen Stärke zu vertrauen und die eigenen Schwächen anzuerkennen, schaffen eine gute Basis.

Das schönste Geschenk, was Du Deinem Kind machen kannst, ist, auf Deine Intuition zu vertrauen und Deinen Verstand zu nutzen. Dann wirst Du Dein Kind bestimmt auf liebevolle Weise in seinem Leben begleiten.

Was gehört für Dich zur intuitiven Erziehung?

Schreibe mir gerne einen Kommentar!

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